Arbeitende Väter 2 – Vater in Teilzeit

Nachdem ich vor kurzem über Arbeitende Väter – Wie man es macht, verliert man? geschrieben habe, kam nun thematisch passend auf  Zeit online  von Justus von Daniels der

Erfahrungsbericht eines Vaters in Teilzeit„.

Er beschreibt, was für ein ungewohnter und seltsamer Schritt es für ihn ist, seine Vollzeitstelle gegen Teilzeit einzutauschen. Und vor allem, wie anstrengend„Aber ich renne zwischen Familie und Büro hin und her und kann es trotzdem keinem recht machen. Zu Hause liegen mir die Kinder in den Ohren, und im Betrieb verpasse ich vielleicht den nächsten Aufstieg.“

„Wenn man häufiger zu Hause ist, kann man den Konflikten nicht ausweichen, und man kann sie sich schon gar nicht lange leisten. Gleichzeitig habe ich gerade durch die Kinder gelernt, Streit besser zu bewältigen. Das hilft mir auch jetzt im Büro.“

„Als Teilzeitvater ist es unmöglich, es jeder Seite recht zu machen. Weil mir bei der Arbeit die Zeit fehlte, habe ich den Stress mit nach Hause gebracht, was oft für schlechte Stimmung sorgte. Auch die Abstimmung zwischen mir und meiner Frau darüber, wer was macht, war anstrengend. Irgendwann wurde mir das zu viel.“

Besonders gut fand ich seine klare Ansage, dass er seine Frau beim Wiedereinsteig unterstützen muss:

„Der Wiedereinstieg für eine Mutter ist alles andere als einfach. Die Bedingung für den Vertrag: Sie steigt Vollzeit ein. Was aber würde das für uns als Familie bedeuten? Wer holt jetzt die Kinder ab? Wer macht die Hausarbeit? Schnell war klar: Ich muss kürzer treten, meine Arbeitszeit reduzieren.“

Ein bisschen gefehlt hat mir die Aussage der Mutter. Wollte sie gerne Vollzeit arbeiten oder war es ein notwendiges Übel für sie? Denn nachdem die Vollzeitstelle gekürzt werden kann, steigt sie ja auch sofort auf Teilzeit um.

Schmunzeln musste ich hier:

„Es gab auch niemanden, den ich hätte fragen können, ob das gut geht, so mitten im Berufsleben die Arbeitszeit zu verkürzen. Ich habe mich gefragt: Was werden die Kollegen sagen? Wird das Arbeitspensum wirklich weniger, oder muss ich dieselbe Arbeit für ein geringeres Gehalt machen? Komme ich danach überhaupt weiter?

Diese Fragen sind nicht neu, das ist mir klar. Jede Frau, die in Teilzeit geht, kennt all das zur Genüge. Aber ich bin ein Mann. Und für Männer stellen sich diese Fragen anders. Wir werden in unserem Umfeld anders wahrgenommen und haben ein Bild von uns, in das eine Teilzeitstelle nicht hineinpasst.“

Für Männer stellen sich als diese Fragen also anders. Weil sie ihr Selbstbild mehr über ihre Arbeitsstelle definieren? Oder warum sind so anders? So anders als Frauen, die Teilzeit arbeiten, dass sie sich von denen abgrenzen müssen und deren Erfahrungen nicht teilen können.

Für den Autor freut mich, dass er eine intensive Zeit mit seinen Kindern erlebt hat.

Er zieht dieses Fazit: „Im Nachhinein bereue ich es, dass ich es einige Jahre nicht geschafft habe zu reduzieren.“ 

Und von vielen vielen Väter habe ich auch bislang gelesen, dass es das ist, was sie bereuen, wenn sich die Kinder dann endgültig losgelöst haben: Dass sie nicht mehr Zeit mit ihnen verbracht haben. Und dass es „alles so schnell gegangen ist“. Manche Väter wundern sich tatsächlich, dass ihr „kleines Kind“ mit 13, 14 Jahren nichts mehr mit ihnen zu tun haben will. Aber das ist die normale Entwicklung. Steht doch alles in den Kinderentwicklungsbibeln „Babyjahre“ und „Kinderjahre“ von Remo Largo.

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

7 Kommentare zu „Arbeitende Väter 2 – Vater in Teilzeit“

      1. ah- die Frage sehe ich jetzt erst. nein, irgendwie nicht. das war fuer uns Beide irgendwie ganz selbstverstaendlich, dass wir Beide gleich viel fuers Kind da sein moechten.
        vielleicht Vorbildfunktion? Seine Eltern waren da aehnlicj- erst blieb Mama dann Papa zu Hause. ganz selbstverstaendlich.

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  1. Sowohl der Vater meines Kindes als auch mein Freund arbeiten nicht Vollzeit. Nicht wegen des Kindes – sie tun es einfach nicht, Arbeit ist ihnen nicht so wichtig. Und ich glaube, sie finden es durchaus punkig-männlich, dass sie sich nicht so in die Norm pressen lassen. Und ich bin ganz gerne Hauptverdienerin mit meinen 30 Stunden 🙂

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    1. Ja, das ist auf jeden Fall (auch) Einstellungssache. 🙂 Wieviele Stunden haben sie denn pro Woche? In manchen Bereichen ist es natürlich auch leichter als in anderen. In unserem Kindergarten arbeiten mind. 50 % der Mitarbeiter Teilzeit. Allerdings ist es dann auch wieder die Frage, wieviel Gehalt man dann noch hat.

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      1. Der eine hat 25 Stunden pro Woche im IT-Support und gibt zusätzlich noch Schulungen auf Honorarbasis, durchschnittlich etwa 7 Stunden pro Woche. Der andere arbeitet 20 Stunden pro Woche als Doktorand der Elektrotechnik. Na ja, das Geld… ich verdiene ganz okay, und wir haben eben kein Auto, wohnen nicht im teuersten Stadtteil von Hamburg und fahren nicht in große Urlaube, da geht das alles schon ohne große Einschränkungen.Die gewonnene Zeit ist da effektiv wichtiger.Aber das ist sicher auch Enstellungssache 🙂

        Gefällt 2 Personen

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