Wie schreibt man eine juristische Klausur

Neulich bin ich über diesen – leider schnell eingestellten – Blog gestoßen, in dem ein Korrektor juristischer Klausuren seine Erfahrungen zusammenfasst: https://juraklausur.wordpress.com.

Habe dann auch gleich einen eigenen Fehler wiedergefunden 😀

Nachdem ich drüber nachgedacht habe, stelle ich fest: So wirklich RICHTIG habe ich an der Uni nicht gelernt, wie man eine gute Juraklausur schreibt. So ungefähr – ja. Aber so, dass das Ergebnis auch überzeugt? Und damit meine ich nicht die Entscheidung irgendwelcher Streits oder die vorgebrachten Argumente (hier sowieso: alles ist möglich (angeblich!)).

Nein, ich meine eher Dinge wie:  § 15 StGB bei der Vorsatzprüfung erwähnen. Nicht „nach den Sachverhaltsangaben“ zu schreiben (ungefähr tausend Mal gehört). Die richtige Formulierung unproblematischer Sachen (wie breit, wie lang, wie tief, welche Formulierung genau?)

Eine professionelle Arbeitsweise eben, mit allen Do’s und Don’ts. Nicht nur das große Ganze – auch Einzelheiten sind wichtig.

In unserer Vorlesung zur Methodenlehre haben wir so einiges gehört, insbesondere über Syllogismen, über Semantik, über Auslegungsmethoden. Ist ein Automobil eine Pferdekutsche? Solche Sachen.

Das konkrete Formulieren eines praktischen, normalen Beispiels für die alltägliche Falllösung war leider nicht dabei.

In den Vorlesungen und Klausurbesprechungen gab es Problemübersichten. In den AGs zwar Falldiskussionen, aber wieder bleibt man bei Problemen, eine ausführliche schriftliche Lösung gab es auch nicht.

Natürlich kann man dies in Fallbüchern oder Ausbildungszeitschriften finden, aber die Ausbildung an der Uni hat gegenüber dem Selbststudium ja den Vorteil, von erfahrenen Juristen auch Hinweise und Feedback zu bekommen.

In den Unterlagen der Repetitorien haben ich die auf der oben angegebenen Seite bemängelten Formulierungen auch schon 100 Mal gelesen: „Die Meinungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Damit ist der Streit zu entscheiden.“ Dass das überflüssig ist, ist bestechend logisch, bekommt man es aber „vorgelebt“, lernt man es als richtig zu empfinden.

Hilfe bekommt man in diversen Büchern der Methodenlehre, besonders ausbildungsfreundlich, da praxisnah, empfand ich:

Arzt: Die Strafrechtsklausur.

Otto Lagodny: Gesetzestexte suchen, verstehen und in der Klausur anwenden. Sowie: Juristisches Begründen.

Es gibt viele weitere.

Eine gute Arbeitsweise erleichtert so vieles. Überflüssiges Gepinsel, zum Beispiel, gerade, wo ja immer Zeitnot beim Schreiben herrscht. Aber auch den „Draht“ zum Korrektor. Eine klare Lösung wird einfach lieber gelesen als eine umständlich formulierte. Und schließlich beeinflussen sich Schreibstil / Lösungsstil und Gedankengang nicht nur in eine Richtung: Natürlich kann man eine klare Lösung auch gut zu Papier bringen. Hat man aber auch gelernt, wie man beim Bearbeiten der Fälle am besten vorgeht, bringt dies auch eine ganz neue Ordnung, eine klare Linie in die Gedanken. Dann erst kann man Lösungen systematisch und zeitgerecht erarbeiten und den Hauptschwerpunkt auf die Argumentation legen. Juristisches Wissen und die Umsetzung in der Fallbearbeitung sind schließlich zwei unterschiedliche Fertigkeiten – schön, wenn sie sich ergänzen. Wahrscheinlich würde es einiges leichter machen, wenn man besonders gute Falllösungen auch mal vorgelegt bekommt.

 

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

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