Jede emanzipierte Frau braucht einen emanzipierten Mann

Gerade hat Mara in ihrem Blog über über Emanzipation geschrieben („Warum ich mich und die meisten Frauen, die ich kenne, für total unemanzipiert halte …“)

Dabei betitelte sie sogleich ihr Befürchtung, ihre Follower zu verlieren, wenn sie Frauen als unemanzipiert beschreibt. Denn heutzutage ist unemanzipiert keine Zustandsbeschreibung, sondern ein Schimpfwort, oder? Selbst wenn frau in der gleichen Rolle lebt wie vor 100 Jahren, als unemazipiert will keine gelten.

Der Grundgedanke der Emanzipation ist ja, selbstbestimmt(er) zu leben. Und ja, sollten wir das nicht alle? Nicht in einer Märtyrer-Rolle verharren, sondern aktiv unser Leben so gestalten, dass wir uns darin wohlfühlen? Nun kann man nicht alles ändern, manche Umstände sind gegeben, aber Anpassungen kann man in der Regel doch vornehmen.

Allerdings ist das meines Erachtens nur dann möglich, wenn das Bestreben sich zu emanzipieren auch unterstützt wird. Sei es, dass die Kinder „aus dem Nest“ fliegen (und Mama ständig kontrollierend hinterher fliegt), sei es die Rollenverteilung in der Beziehung oder in der Gesellschaft. Kann es eine emanzipierte Ehefrau geben, wenn der Mann nicht dahintersteht? Kaum.

Sich zu emanzipieren heißt (in unserer Zeit), aus der Bestimmungsgewalt anderer herauszutreten und selbst über sich zu entscheiden. Und zwar nicht nur darüber, welches Abendessen man kochen will, sondern auch darüber, ob man überhaupt kochen will. Erwartet der Partner eine Ehefrau, die ihm abends das Essen und die angewärmten Pantoffeln hinstellt, wird die Entscheidung, dies nicht zu tun, schwierig. Ziemlich schwierig. Entweder er oder sie muss dann von seinen Ansichten abrücken. Frage: Wer wird es wahrscheinlich tun? 😀

Gut, angewärmte Pantoffeln sind nicht mehr so weit verbreitet. Und die Entscheidungsfreiheit wird auch eher subtil angegriffen: „Ich kann doch nicht stillen, was, wenn das Baby Hunger bekommt?“ kann jeden freien Nachmittag / Abend zunichte machen. Und der Mann, der die Kinder „leider“ nicht ins Bett bringen „kann“, macht jeden abendlichen Termin zunichte. „Schatz, sie hat die Windel voll!“, hört man auch öfter. Ja, moderne Väter wickeln, aber: „Kannst Du mal eben…?“ sagen sie auch oft. „Klar geh ich dem Kleinen auf den Spielplatz, aber kannst ihn eben noch wickeln und anziehen und noch einen Brei vorbereiten?“ Wie oft sagen Mütter das?

Die Grundfrage ist doch die: Sind wir (als typischer Vertreter unserer Gesellschaft) so erzogen, dass wir von unserer Partnerin erwarten, dass sie „Heim und Haus zusammenhält“ oder sehen auch wir uns in der gleichen aktiven Pflicht? Ist es ok, wenn eine Frau nach 8 Stunden Arbeit die Schnauze voll hat und jetzt mal runterkommen muss? Oder ist es das nur für Männer? Ist es für den Vater eine große Belastung, fünf Stunden am Stück zwei Kinder zu betreuen und wenn ja, warum? Sicher macht das jeder Vater, aber macht er das „mal“ oder selbstverständlich? Macht er das, um seiner Frau einen Sportkurs zu ermöglichen oder weil sie so wie er auf einfach mal frei haben kann um „herumzugammeln“? Kann eine Frau sich frei dafür entscheiden, zu arbeiten, wenn ihr Mann sagt „Musst Du schauen, ob Du das mit den Betreuungszeiten hinbekommst?“ Ist er auch bereit, für ihre Ziele zurückzustecken? Oder kann sie alles machen, was sie möchte, solange sie ihn dabei nicht stört?

Ich denke, zum größten Teil spielt hier die Erziehung eine Rolle. Die eigenen Vorbilder. Aber zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil auch die eignen Bequemlichkeit. Selbst Verantwortung für sich zu übernehmen kann eben auch anstrengend sein. Selbst zu entscheiden setzt eine aktive Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Zielen voraus. Und wird nicht gerne umtüddelt? Und wer gibt seine Freizeit gerne zugunsten der Freizeit anderer Leute auf? Was man hat, verliert man eben nicht gerne. Wenn man dann als „Gewinn“ auf der anderen Seite „nur“ eine nicht meckernde Frau hat, ist das auch kein großer Anreiz. Es ist eher eine Einstellungsfrage: Wie will ich leben? Welche Rechte gestehe ich anderen zu? Und was bin ich bereit, dafür zu tun?

An der Examensvorbeitung arbeite ich in Teilzeit, gehe ich mit den Kindern zur Spielgruppe, hole sie vom Kindergarten ab und bringe sie an den Abendterminen des Mannes dann auch alleine ins Bett, was bei zweien schwierig. Dann räume ich die Wohnung auf und hänge noch ein Stündchen auf dem Sofa, während die unerledigten Aufgaben einen anschauen und „erledige mich“ rufen. Am Wochenende bin ich manchmal von morgens bis zum späten Nachmittags mit den Kindern alleine.

Hey, ich bin Supermom! Nein? Ist das etwa nichts besonders? Ach ja, aber vielleicht so:

Während der Examensvorbereitung übernimmt der Mann hier alle Kinderkurse, weswegen er jede Woche einen halben Tag Urlaub nimmt. Er übernimmt ab 16 Uhr die Betreuung der Kleinen und holt mit ihr die Große vom Kindergarten ab. An meinen Abendterminen bringt er sie dann auch alleine ins Bett, was bei zweien schwierig ist. Dann räumt er die Wohnung auf und hängt noch ein Stündchen auf dem Sofa, während die unerledigten Aufgaben einen anschauen und „erledige mich“ rufen. Am Wochenende ist er manchmal von morgens bis zum späten Nachmittag mit den Kindern alleine.

Und nein, er ist deswegen nicht Superdad. Er ist meine wertvolle Unterstützung, ohne die ich meine Pläne nicht verfolgen könnte, aber dass er Zeit mit seinen Kindern verbringt, macht ihn zu einem ganz normalen guten Vater. Er übernimmt seinen Teil. Weil wir nur gemeinsam unsere Ziele verfolgen können. Und nein, es ist nicht sein Traum, sondern manchmal nervt es ihn und manchmal hat er keinen Bock. Aber er weiß, wie wichtig es für mich ist. Danke! Ohne Dich geht es nicht.

Und im Gegenzug versuche ich natürlich, ihm seine Freizeit zu ermöglichen. Er würde gerne Teilzeit arbeiten. Und ich würde mich darüber freuen. Und zwar auch, wenn er den freien Tag für seine Freizeit nutzen möchte. Wahrscheinlich würde ich dann Vollzeit arbeiten. Warum auch nicht so herum? Bisher hat er jobmäßig sehr viel aufgewandt, nach dem Examen kann es ja auch mal andersherum sein. Bleibt nur da Problem, dass ich dann hoffentlich (ok, statistisch gesehen wahrscheinlich nicht), genauso viel verdiene wie ein Mann.

Und warum steht in der Überschrift „Jede Frau brauch einen Mann?“ Weil ich denke, dass aufgrund der Rollenerwartungen dieses Problem in gleichgeschlechtlichen Ehen viel weniger ausgeprägt ist. Weil man schon „gleicher“ ist, und weiß, dass man mehr abstimmen und verhandeln muss.

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

2 Kommentare zu „Jede emanzipierte Frau braucht einen emanzipierten Mann“

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