Die erste Klausur – Selbstbetrug ist auch kein Kavaliersdelikt

Jura Examensklausur

So, nun habe ich es geschafft. Die erste Klausur geschrieben, nach x Jahren. Ehrlich, ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wann ich die letzte geschrieben habe. Nur an das Gefühl von Zeitknappheit, Handgelenkskrampf und rauchenden Köpfen, das bleibt wahrlich lange in Erinnerung.

Nun also ran, denn „das Examen ist ein Klausuren – Examen“ (alter und wahrer Repetitorspruch). Und was muss man dann üben? Natürlich das Klausuren – Schreiben. Und zwar unter Examensbedingungen. Ich kann schonmal zusammenfassen: Hat früher irgendwie mal besser geklappt. Seufz.

Klausur ausdrucken. Oha, 18 Seiten. Begeisterung sieht anders aus.

Verdammt, Druckeinstellungen korrigieren. Nochmal drucken.

Jetzt anfangen. Ach nein, noch nicht gefrühstückt, zu sowas komme ich morgens nicht mehr.

Ahh, Computer zum Essen zugeklappt, aber letztes Blatt war nur zur Hälfte gedruckt. Also nochmal das erste Blatt drucken. Mache den Laptop dafür wieder auf und der Drucker beginnt von vorne. Mit allen Seiten von vorn! Plus dem ersten Blatt, das ich jetzt zweieinhalb mal habe. Arg. Bin jetzt schon ganz genervt. Zum Glück gibt’s im Examen die Sachverhalte vom Prüfungsamt.

Aber nun, ach nee….. noch ’nen Tee machen, geht ja ganz schnell…

Na gut, mit einer dreiviertel Stunde Verspätung dann auch mal anfangen. Zum Glück holt der Mann heute alle Kinder ab, aber kaum hat man keinen so krassen Zeitdruck mehr, schlägt das „Ich brauch jetzt mal ne Pause“ und das „nur noch schnell“ auch sofort zu.

Klausur also erstmal lesen. Kurz reinlesen…. das sind aber viele Namen. Dann – wie wir es gelernt haben – den Bearbeitervermerk: Prüfen Sie folgende Personen: A, B, C, D, E, F….. Iiiiiks. Das sind 6?!?

Gut, auch egal. Don’t panic. Anfangen, schreiben, fertig. So wie immer. Gibt ja keinen anderen Weg.

Was soll ich sagen. Konzentriert dran bleiben? Ging erst nach zwei Stunden. Das super dringende Bedürfnis nach Minipausen und Ablenkung ging auch erst dann und in seiner Gänze nach etwa drei Stunden. Und dann die dahingeschluderte Zeit einholen und schreiben, schreiben, schreiben…. Und dennoch immer das Gefühl, nur das Allerbilligste von sich zu geben, nur an der Oberfläche zu kratzen. Aber mehr Zeit ist eben nicht, wenn man auch erstmal nachdenken muss. Am bestens, man kann schon alles 😉

Zum Schluss war ich so fertig, dass ich es nicht mehr hinbekommen haben, die Seiten zu nummerieren (vier Fehler) und die Anklage zuschreiben. Gesetz abschreiben? (drei Fehler, dann aufgegeben), chronologische Reihenfolge? (falsch herum mit den zuerst erwähnten Personen angefangen und dann alles mit Pfeilen eingekreist), eine sinnvolle, gut zu lesende Konkretisierung, die auch den subjektiven Tatbestand nicht vergisst? Hahahahaha….

Ich musste mich wirklich zwingen, überhaupt noch zuende zu schreiben, mehrfach hätte ich die Klausur nach 5 Stunden am liebsten einfach liegenlassen. Aber neeeeeeein, ich wollte sie doch fertig schreiben. Also Zähne zusammenbeißen und schreibenschreibenschreien schreiben…..

In der letzten halben Stunde ist mein Gehirn nicht mehr denkfähig. Was war da noch mal zu beantragen? Egaaaaaaaaaal, alles egal, mir fällt sowieso nicht mehr ein. Gar nichts. Nicht mal das, was ich kann.

Und eine halbe Stunde überzogen dann auch noch, nur um die Anklage wenigstens scheinbar fertig zu haben für den Korrektor. Sowas wollte ich ja gar nicht nie. Nein, echte Examensbedingungen und so….. Ich überlege heimlich, einen Entschuldigungszettel für den Korrektor mit anzuheften. „Sorry, letzte Klausur lange lange her“ oder so…. oder ein „Tut mir wirklich leid. Herzliche Grüße!“

Hinterher war ich soooo platt, dass ich auch nach zwei Stunden noch keine Lust hatte, mit den Kindern zu spielen oder auch nur zu reden. Uff! Hoffentlich Sicherlich wird das besser.

Erstmal wieder reinkommen….. Zum Glück habe ich jetzt schon mit den Klausuren angefangen. Wäre mir sowas drei Monate vor dem Examen passiert, hätte ich sicher erstmal drei Wochen Panik geschoben.

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

3 Kommentare zu „Die erste Klausur – Selbstbetrug ist auch kein Kavaliersdelikt“

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