Das Repetitorium – Ausbildung neben der Ausbildung

Zum Wiedereinstieg habe ich mich für ein Repetitorium entschieden. Auch meine Lerngruppenpartnerin besucht ein solches, allerdings ein anderes als ich.

Ich finde, in oder nach der Elternzeit ist das wirklich ideal. Man hat in der Regel eine Akte pro Woche, man wiederholt die wichtigsten Dinge, verirrt sich nicht in Randproblemen und vor allem hat man einen professionellen und kompetenten Ansprechpartner, den Dozenten. Man bekommt die Veränderungen der letzten Jahre, die neuesten Entwicklungen der Rechtsprechung präsentiert. Übersichtliche Unterlagen. Vertiefungshinweise. Pädagogisches Wissen über Stoffvermittlung. Und: ein gutes Gewissen 😀

Ja sicher, der Dozent hält den Kurs zum 8. Mal. Er macht immer die gleichen Witzchen. Er leitet auch im Crashkurs die Themen mit den gleichen Sprüchen ein. Aber ehrlich – was soll’s? Wenn man sich den „blöden“ Spruch merkt und sich an das Thema erinnert, hat man sogar noch was fürs Examen mitgenommen. Und sonst hört man einfach drüber hinweg.

Die in der Regel drei Stunden umfassenden Abendtermine kann der Partner das Kind schon schaukeln 😉 Und wenn nicht, kann man ja ein online Repetitorium ausprobieren. Ich habe damit allerdings keine Erfahrungen gemacht.

Die meisten Assessorkurse kosten so um die 90-100 Euro pro Monat. In der Regel kann man noch einen Klausurenkurs dazubuchen, um seinen individuellen Leistungsstand einzuschätzen (nur sitzen und abnicken bringt jetzt auch nicht so viel).

Meistens schaffe ich es, die Fälle vorzubereiten. Außer es ist wie diese Woche Land unter, alle Kinder krank, zwei Termine pro Woche, ein Zusatzfall, etc. Die Rep-Akten haben momentan Priorität. Ansonsten bräuchte ich den Kurs ja gar nicht zu besuchen. Ohne vorbereitete Lösung zieht man meines Erachtens nicht so viel aus dem Angebot.

Die Nacharbeit ist da schon schwieriger, denn es wartet ja immer bereits der nächste Fall und die Zeit ist auch immer knapp mit Kind (ja, gerade am Wochenende, der Notreserve der kinderlosen Leute). Aber wenn man den selbst vorbereiteten Fall besprochen hat, hat man den größten Anteil an Lernwert schon erhalten. Ich würde sagen 80 % Vorbereitung – 20 Prozent Nachbereitung.

Bekannte von mir haben auch nachteilige Erfahrungen gemacht. Viele Einmalvertretungen, die nur den Fall kannten, aber keine anderen Fragen beantworten konnten. Oder allgemein nicht so gute Dozenten. Da bietet es sich an, die meist angebotenen Probestunden wahrzunehmen. Sich umzuhören ist immer beliebt, kann aber die eigene Anschauung nicht ersetzen. Vielleicht findet man den Kurs ja selbst nicht so blöd, obwohl der Dozent die dritte abgefahrene Problemkonstellation eines nichtexamensrelevanten Sondertatbestands nicht kannte? Oder er immer „Oma Erna“ Sprüche zum Merken bringt? Oder „geht gar nicht braune Schuhe zu schwarzen Hosen“ trug? Auch die hausinterne Rechtsprechungsübersichtszeitung wird überall angepriesen. Aber ist das wirklich so schlimm?

Letzten Endes dient das Repetitorium der Examensvorbereitung. Die gängigsten Sachen werden vermittelt. Und zwar für die „breite Masse“ der Referendare. Wer nie „raus“ war, wer vertiefte Studien betreiben will, der sollte sich andere Möglichkeiten entscheiden.

Wer es sich leisten kann, für den ist sicher auch Einzelunterricht eine tolle Sache. Effektiver kann man wohl nicht arbeiten. Teurer auch nicht 😉 Aber im Juristenleben zahlen sich gute Noten ja quasi in bar wieder aus.

Was habt Ihr für Erfahrungen und Meinungen zum Thema Assessorkurs beim Repetitor?

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

2 Kommentare zu „Das Repetitorium – Ausbildung neben der Ausbildung“

  1. Mir fehlt dafür – ehrlich gesagt – die Zeit. Zum nächsten Kurs müsste ich 1 Stunde hinfahren. Das ist mir nachmittags/abends zu viel.
    Und Wochenend-Kurse…mit Kind zwar möglich, aber dann bleibt auch gar keine Familienzeit.

    Ich bereite mich daher mithilfe eines Klausurenkurses und Skripten auf das 2. Examen vor.

    Gefällt 2 Personen

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