Lernen – Das Referendariat nach der Elternzeit

Als Elternteil muss man Abstriche machen beim Thema „lernen“. Man hat einfach weniger Zeit und insbesondere weniger Zeit, um Dinge nachzuarbeiten, falls das Leben mal zwischen Dich und den Lernplan kommt: Krankheiten, Urlaube, Feiertage, Besuch, Handwerker, Kitaschließtage, etc. etc.

Und dann ist dennoch das schlechte Gewissen ein Dauergast, meistens jedenfalls. Denn dieses oder jenes* „muss“ man doch einfach wissen, verlangen die Prüfer. Aber das Kind fordert Spielzeit ein, der Partner Freizeit, die Freunde Treffen, und der eigene Körper Schlaf. Man muss gegen das Vergessen anlernen. Man muss aktuelle Entscheidungen kennen. Die praktische Anwendung üben. Feststellen, was man in der Elternzeit und in der Zeit zwischen 1. Examen und Referendariat doch alles vergessen hat.

Frage: Geht das? Kann man einfach sagen (und sei es nur zu sich selbst) „Widerklage? Kann ich nicht. Da hatte mein Kind Hand-Mund-Fuß Krankheit, als das vorgesehen war.“ Kann man dabei ein gutes Gewissen haben? Wenn man doch ein Manko (fehlende Kenntnisse in diesem Bereich) hat? Hätte man mehr Pufferzeiten im Lernplan vorsehen müssen? Andererseits: Zeit hat man nicht unendlich viel. Kann man auch nicht hervorzaubern. Jedenfalls nicht im Referendariat. Ja, als Elternteil kann man nochmal drei Monate inoffiziell schieben, durch Verlängerung der Elternzeit. Aber im Prinzip gleicht das gerade mal die Zeit hat, in der man beim kranken Kind zuhause gesessen hat. Und „mehr“? Nicht wirklich. Und wenn man nicht perfekt vorbereitet ist? Ist dann eben so! Oder?

Wenn man bereits arbeitet, kann man die Arbeitszeit verkürzen. Und nicht zu vergessen, vieles wiederholt sich. Es gibt Routinen. Nachschlagewerke. Formvorlagen. Nicht ständig neue krasse Rechtsprobleme – und erst recht nicht alle auf einmal. Man ist in der Regel Spezialist in seinem Bereich, während man im Referendariat „alles“ lernen und dann auch können muss. In der Ausbildung ist im Prinzip alles neu. Ich finde, das ist durchaus herausfordernder als der Job. Anders sähe es sicher aus, wenn man wie in anderen Ländern bereits für die Stelle lernt, in der man mal arbeiten wird. Als Strafverteidiger. Zivilrichter. Oder Anwalt im Sozialrecht. Aber wir lernen eben erstmal alles. Ob das wirklich so sinnvoll ist, dass es den Aufwand rechtfertigt?

Wie geht es Euch beim Lernen mit Kind? Und wieso gibt es das Referendariat in Teilzeit für Juristen noch nicht, wenn es doch bei Lehramtsstudenten auch geht? Dazu ein sehr interessanter Beitrag von „Familienzuschlag“ – „Referendariat in Teilzeit“. Ich finde, das sollte es für alle Referendare geben. Dann kann man nämlich schneller wieder einsteigen – auch wenn das Kind noch nicht reif ist für 9 Stunden Außer-Haus-Betreuung.

Offiziell ist der juristische Vorbereitungsdienst natürlich kinder(bekomm)freundlich. Garantierter Wiedereinstieg – schonmal ein Thema für sich in der Berufswelt. Viele Ausbilder sind auch ziemlich elternfreundlich, man darf oft pünktlich gehen oder sogar eher, wenn man das Kind abholen muss. Oder krank ist, das ist auch kein Problem. Aber warum auch – für den Ausbilder bist du ja nur die Nummer, die nebenbei noch mitläuft. Problematisch wird es zu Prüfungstagen. Kind krank? Die Prüfung kann aber nicht verschoben werden. Und das Kind abholen, eher gehen etc? Kann auch nach hinten losgehen, denn Lernen musst du den Stoff trotzdem. Auch wenn du immer um 15 Uhr gehst. Beim Job ist dann Schluss. Im Referendariat nicht.

*eigentlich: alles

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

4 Kommentare zu „Lernen – Das Referendariat nach der Elternzeit“

  1. Hallo!

    Ich stöbere immer wieder mal hier und bewundere die Bewältigung dieser Lebensphase! 🙂 Ich habe die schriftliche Prüfung vom zweiten Staatsexamen im achten Schwangerschaftsmonat geschrieben. Das war gut, weil ich hormonell super entspannt war und körperlich zu der Zeit keine großen Probleme gehabt habe. Hätte alles schief gehen können, aber es lief echt gut. Die Bekanntgabe der Noten habe ich mit meinem sechs Tage alten Baby in Arm verschlafen. 😀 Dann bin ich 12 Monate in Elternzeit und habe mir dann vier Monate für die Vorbereitung für die Mündliche gegeben. Und die zogen sich einerseits wie Sirup, die Motivation war mehr als mau und anderseits schaffte ich nichts, die Zeit rannte und das Kind war aufgrund Kitaeinstieg ständig krank. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich die Schriftlichen schon hinter mir hatte. Daher noch einmal meine Bewunderung! Eine Teilzeitmöglichkeit wäre wirklich super! Aber es ist bestimmt zu Schaffen, wenn man den Fokus erstmal auf das Bestehen setzt und alles was dazu kommt, dankbar annimmt (bloß nicht an die Jobsuche denken, das regelt sich auch). Das hat bei mir in der Schwangerschaft ungemein Druck herausgenommen. Mir haben auch Lerngruppen ungemein weitergeholfen, wenngleich dafür natürlich Zeit drauf geht. Ich drück jedenfalls die Daumen!

    Viele Grüße
    Julia

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    1. Vielen Dank für deinen ermutigenden Kommentar! 🙂 Ich habe auch eine Lerngruppe gestartet und die hilft mir auch sehr. Schön, dass es bei Dir auch gut geklappt hat! Der Kitaeinstieg ist echt hart, alle denken, man hat Zeit, dabei ist das Kind nur ständig krank. Das hatten wir ja jetzt auch 3 Monate.

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  2. Liebe Juristin,
    toller Blog, bewundernswert, wie Du das alles meisterst! Schade, dass es soetwas nicht schon vor zwei Jahren gab, da war ich in einer ähnlichen Situation und hätte mich über Austausch/Anregungen mit anderen „Betroffenen“ sehr gefreut. Das ist nämlich so wichtig! Im Juni 2014 habe ich die schriftlichen Prüfungen vom zweiten juristischen Staatsexamen absolviert, mit Kind 1 im Alter von 2 Jahren und Kind 2 im Bauch. Die mündliche Prüfung fand dann mit Mann und Kind 2 (mittlerweile 6 Monate) im Nebenzimmer statt. Wenn ich zurückdenke, kann ich selbst kaum glauben, dass ich bzw. wir das geschafft haben. Aber irgendwie hat es geklappt. Ich drücke Dir die Daumen, dass diese anstrengende Lebensphase bald erfolgreich zu Ende geht und wünsche Dir für die Prüfungen alles Gute!

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    1. Vielen Dank für deinen netten Kommentar! Ist ja auch toll, wie du das geschafft hast. Ich hätte ja immer Bedenken, eine Prüfung während der Schwangerschaft zu machen. Was wenn es einem nicht so gut geht… Dein Link / Deine Kanzlei? liest sich übrigens auch sehr spannend 😀 Eine tolle Idee!

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