Ich bewundere, wie du das alles schaffst…

… sagte der Mann diese Woche, als er wegen Krankheit komplett ausfiel. Und das am Ende der Woche, als ich fast beschämt feststellen musste, wieviel er sonst verantwortet zuhause. Ich musste mich quasi Vollzeit um die Kinder kümmern, (dazwischen etwas lernen), und war doch tatsächlich überrascht, wie anstrengend das war. Sonst habe ich abends noch ein, zwei Stunden. Nach zwei Tagen ohne ihn war ich abends so fertig, dass ich am liebsten gleichzeitig mit den Kindern ins Bett gegangen wäre. Nach fünf Tagen hatte ich nicht mehr so berauschende Laune, war nicht mehr großartig geduldig und habe mich nicht mehr so wirklich auf die Tage gefreut, sondern nur daran gedacht „wann wird der Mann wieder gesund sein?“

Gegen 16 Uhr erstmal Kinder an den Mann übergeben, und dann Pause, Tee, Selbstbestimmheit? Mal faul ins Büro abseilen? Was für ein Luxus das doch ist!

Was der Partner wirklich leistet, merkt man bei allem Verständnis erst dann, wenn man seinen Part mal tatsächlich übernimmt. Selbst für Freizeit (bloggen oder mal einen Film) fehlte mir abends die Energie. Von Kochen und Wäsche waschen ganz zu schweigen. Pizza schmeckt ja auch allen *hüstel*

Ich habe in der Woche mal wieder festgestellt: Zwei Stunden Arbeiten und zwei Stunden Kind für jeden sind viiiiiel weniger anstrengend als wenn einer vier Stunden arbeitet und der andere vier Stunden Kinder betreut. Mal ne Pause machen können, das gibt einem so viel. Kann man als Nichtelternteil vielleicht gar nicht nachvollziehen 😀

Aber der Mann war nicht der einzige, das Thema scheint in der Luft zu hängen

„Ich frage mich, wie Du das alles schaffst“ sagte auch eine Freundin kürzlich zu mir.

Wie auch die Aussage des Mannes hat mich das durchaus verwundert. 😀

Diese Annahme, ich würde „alles schaffen“.

Die Wahrheit ist: Ich schaffe gar nicht alles.

Eher wenig sogar. Das persönliche Gefühl sagt sogar öfter „ich schaffe nichts!“ Jedenfalls nicht diese ganzen Dinge, die man neben Kind und Arbeit auch so schaffen will. Und auch die Arbeit „schaffe“ ich nicht. Im Gegenteil. Wenn ich Abstriche mache, dann dort. Und zwar seit Monaten.

Wo soll ich denn sonst welche machen? Bei den Kindern? Die haben schon ein Mama Defizit, vor allem die Große. Was haben wir früher gespielt! Und nun? Kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich „Geh zu Papa“, „Frag Papa!“ etc. sage. Noch weniger Haushalt? Das kann ich dem Mann ja nun auch nicht antun. Der ist auch ziemlich erschöpft und gestresst. Abstriche bei meiner Freizeit? Ne Stunde am Tag brauche ich für mich, sonst geht es nicht lange gut….

Oft muss ich auch noch mehr Abstriche beim Lernen machen als der „perfekte Tagesplan“ es vorsieht, weil ich nicht alle Dinge auf die lange Bank oder das ominöse später verschieben kann oder will. Fotos für die Oma aussuchen, entwickeln, hinschicken? Elternsprecherin sein? Weihnachtsgeschenke aussuchen? Geburtstagskuchen fürs Kind backen? Das lässt sich schlecht auf später verschieben und bringt auch Seelenfrieden, Ausgleich. Daneben: Die Kinder müssen zum Arzt, Antrag X muss ausgefüllt werden, Rechnung Y bezahlt. Bringt Nachteile, wenn man es nicht macht. Deswegen macht man es.

Und was geht alles nicht?

Ich könnte eigentlich immer schlafen! Ich schaffe es nicht, extra Bücher zu lesen bzw. schaffe beim Lernen nur das Notwendigste bzw. zur Zeit nicht einmal das. Ich muss meine Termine verschieben, weil ich es nicht (immer) schaffe, sie vorzubereiten. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal am Klavier saß – nur, dass ich keine Muße empfand, weil die Zeit schon wieder drängte. Ich brauche oft Pausen beim Lernen – ich kann nicht „durchlernen“. Ich spiele trotzdem zu wenig mit den Kindern. Der Haushalt – lieber niemanden einladen… Bekannte und Freunde warten monatelang auf Anrufe und Emails. Sport? Müsste man mal…. Schöne Dinge wie Fotos, Geschenke, Kuchen werden nur dazwischen gequetscht, verursachen Stress (obwohl ich sie eigentlich gerne mache). Der gewisse Antrag X des Kindes liegt nun schon ein Jahr lang in der Schublade. Und außerdem versuche ich ständig, das Telefon in den Kühlschrank zu legen, wenn ich schnell beim Telefonieren Brote geschmiert habe, vertausche Wörter, oder vergesse, was ich gerade tun wollte.

Natürlich ginge das alles viel einfacher, schneller und weniger stressig, wenn das erste Examen nicht Jahrhunderte her wäre, oder das Referendariat nicht auch schon Jahre zurückläge… dann müsste ich viel weniger wiederholen oder erneut erarbeiten, dann wäre noch so viel mehr im Gedächtnis.

Aber es ist nun einmal wie es ist. Und bei meinen arbeitenden Elternfreunden (idR beide Vollzeit oder vollzeitnah) sehe ich das gleiche. Von „schaffen“ kann keinen Rede sein. Wahrscheinlich glaubt man das immer nur von anderen. Oder? Ich lasse mir die gute Laune vom „nichts schaffen“ jedenfalls (fast) nicht verderben. Man kann ja auch fröhlich scheitern (aufstehen, weitermachen…) Nur bei Schlafmangel hört der Spaß auf. Irgendwo muss man die Energie für die gute Laune ja hernehmen.

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

4 Kommentare zu „Ich bewundere, wie du das alles schaffst…“

  1. Bin da ganz bei dir. Ich bin in der Situation, dass ich die Kinder auch oft schicken muss, die Tür zum Büro auch oft einfach abgeschlossen wird und ich die enttäuschten Schreie davor höre, wenn Mama mal wieder unerreichbar ist. Da wir drei Erwachsene im Haushalt haben, geht es noch etwas besser als bei anderen. Irgendjemand hat immer Zeit sich zu kümmern und das verkleinert das schlechte Gewissen etwas. Aber man hat trotzdem ständig das Pensum im Kopf, welches man meint den Kindern einfach schuldig zu sein.

    Jetzt zu Ostern war bei einem Familienbesuch auch nicht gestaubsaugt. Wir hatten es einfach vergessen und dann waren Schwiegers schon da und es blieb eben fusselig. (Für die kleinen Twins meiner Schwester wurde dann aber doch noch schnell gefeudelt heute, die hätten sonst die Staubfussel angezogen wie so ein Zuckerwattestab 😀 ) Aber ganz ehrlich, es ist einfach manchmal keine Zeit da. Und dann mache ich Abstriche beim Haushalt lieber als bei der Familie.

    Und für sämtliche Formalia im Familienalltag nehme ich mir auch die Bürostunden, die von der Kinderzeit abgezogen werden müssen. Wie du schon sagst, es geht eben nicht anders, gewisse Sachen kann man nicht schieben. Da bin ich dann immer froh, dass ich sagen kann „Schau mal, Daddy hat ein Buch, lauf schnell!“ und die Kinder glücklich betreut werden, wenn ich mich mal wieder im Büro in Luft auflöse.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich finde es klasse, dass Du das so offen schreibst. Das hilft uns allen. Mir geht es auch so. Ich reiche meinem Mann abends die Milchflasche, die fürs Kind gedacht war. Einfach weil ich so müde bin.

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  3. Ich finde diesen Blog toll! Er macht mir Mut. Ich steige im
    September nach einem
    Jahr Elternzeit wieder ins Ref ein und bin schon ganz nervös und weiß noch gar nicht wie ich Kind, Examen und Station unter einen Hut bekommen soll. Es ist schön zu lesen, dass das irgendwie geht 🙂
    Liebe Grüße

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    1. Danke für deinen Kommentar 😀 Ja, es geht, aber nur mit Unterstützung. Der Mann macht hier wirklich viel mit den Kindern. Man muss sich natürlich auch bewusst Priorität für die Examensvorbereitung einräumen und der Partner muss mitziehen. Ich wünsche Dir viel Erfolg!

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