Wenig Freizeit, hoher Anspruch

Kennt Ihr das auch? Die Kinder beim Babysitter, der genauso teuer ist wie der ganze „Kino und Essen gehen Abend“ an sich. Eigentlich ist man schon müde, bevor man los geht, aber dann noch mal umziehen, Kinderabschiedsgeheule ertragen und raus in die (teure) Freiheit.

Und dann das. Der Film ist ok, aber der Sitznachbar nervt. Im Restaurant wartet man ewig und überlegt sich schon zu gehen, noch bevor die Speisen da sind. Statt perfekt entspannt lässig am Cocktail zu nippen, ärgert man sich über ein zähes Schnitzel und die kalte Gemüsebeilage, die zu laute Musik und die astronomischen Parkgebühren / wahlweise: dass die U-Bahn sich verspätet und die neuen Schuhe drücken.

Spätestens da fragt man sich: Lohnt sich das eigentlich? Wahrscheinlich ja, man „muss mal rauskommen“, oder? Ich finde es trotzdem immer ärgerlich, wenn die knappe Freizeit dann auch noch so aussieht.

Da ich Filme mag, habe mir neulich mal wieder abends Zeit für einen genommen, der nach Kritik XY besonders gut sein sollte. Nach dem Film: „war nicht so übel, aber ein Kracher war es auch nicht“. Ganz normal, aber es hat mich doch irgendwie verstimmt, dass ich mir extra dafür die 90 min freigeschaufelt habe. Mehr als einmal pro Woche ist ein Spielfilm auch nicht drin (im Zweifel schlafe ich lieber, wenn ich nicht gerade lerne, Fälle löse, Wäsche wasche, Zettel ausfülle, Karten schreibe, etc.etc.).

Andererseits soll ja nicht noch die Freizeit diesem Perfektionierungswahn unterfallen, der einen stresst. Was einem dann schwerer fällt, wenn man sowieso schon relativ wenig Freizeit hat. Als Jugendlicher kann man noch ganze Tage „Zeit totschlagen“. Wenn man Kinder hat, insbesondere kleine, ist quasi jede Stunde ein Gewinn.

Ich will mich jedenfalls auch mit mittelmäßiger Freizeit zufrieden geben. Oder anders ausgedrückt: keine Erwartungen an meine Freizeit stellen, sondern offen sein für das, was kommt. Nicht alles muss „immer besser/neuer/toller/aufregender“ sein. Keine Lust auf so ein Managerleben „work hard, party harder“ … nee….. mit 30 dann Burn Out oder was? Ach nee, hab ich ja schon verpasst 😀

Ich möchte aber generell anders leben. Will auch nicht als Vorbild für meine Kinder so sein, dass alles optimal sein muss. Mit diesem Anspruch kann man doch nur scheitern, und dann ist man so ein motzmeckergenervtherablassender Zeitgenosse… presst seine Kinder in „Qualitiy time – Zeitfenster“, hat mit 35 alles schon gesehen und alles schon erlebt. Was kommt denn dann noch?

Oder ist das gar nicht so? Wie macht ihr das mit kleinen Kindern: lieber schlafen oder abends doch noch aus gehen? 😉

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

11 Kommentare zu „Wenig Freizeit, hoher Anspruch“

    1. Das finde ich auch gut, aber dann geht immer so viel Urlaub drauf. Jedenfalls jetzt und bald in der Schulzeit brauchen wir unseren Urlaub eigentlich fast komplett für die Kinderbetreuung (Ferien etc.) und falls man doch mal tagsüber Termine hat.

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      1. Na, hier sind die vielen Abwesenheiten meines Mannes mal von Vorteil, dabei macht er eine Menge Überstunden und bekommt noch extra Ausgleichstage, die nimmt er für so etwas. Allerdings mache ich dafür den Rest ziemlich alleine. Also ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis wirklich fragwürdig😉. Wenigstens ist es für mich kein Problem, da ich im Moment nicht arbeite…

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  1. Lieber schlafen. Wir müssen schon oft genug abends arbeiten. Lieber mal zu hause Film gucken. Selten. Lieber Internet. Lesen. Achja, schlafen. Zum burnout: der kann auch mit 40 kommen, so wie bei mir. Was ich daran lerne? Druck rausnehmen, und zwar aus allen Bereichen. Ansprüche der Realität ampassen. Und mehr das tun, wozu man Bock hat.

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  2. Erst einmal vorneweg, auch ohne Kinder haben wir so la la Filme geschaut und zu lange auf schlechtes Essen gewartet. Aber das war nicht schlimm! Es gab ja noch genug Freizeit für einen besseren Abend!Das ist jetzt anders. Schlimm? Manchmal schon, aber 1000fach gar nicht! 🙂

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  3. Oh ja, das Thema Ausgehen. Als ich noch kein Kind hatte, hat mir ein Freund mal gesagt: „Man muss ein paar Highlights setzen im Jahr, wenn man Kinder hat. Für die Familie, aber auch für sich selbst. Sonst rauscht das Jahr nur so an einem vorbei.“ Heute verstehe ich, was er gemeint hat. Ein Highlight für mich in der letzten Zeit war mein Wochenende mit 4 guten Freundinnen in Hamburg. Das macht man vielleicht nur einmal im Jahr, zehrt aber lange davon. Wir hatten da wirklich eine gute Zeit. Und das Schöne ist, das man sich auf so etwas auch lange freuen kann. Lg, Christina

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