Was machst du eigentlich den ganzen Tag? – 5. Januar

Neues Jahr, neues Glück, oder so. Heute ist der 5. Januar 2017.  Frau Brüllen fragte wieder „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ (WMDEDGT). Auf ihrer Seite könnt Ihr noch viele andere Beiträge lesen.

Ein ganz normaler Examensvorbereitungstag.

Die Nacht

…. tief und traumlos, dank Schlafdefizit.

Der Morgen

7: 15 Uhr

Freundlich geweckt von großer T. „Mama, Aufstehzeit! Wir müssen pünktlich zum Kindergarten und…. es hat geschneit!“

Schön, dass sie erst jetzt, zur genau perfekten Aufstehtzeit kommt – und das auch ohne die Uhr lesen zu können 🙂

Ich bereue wie man das morgens so tut, dass ich nicht eine Stunde früher ins Bett gegangen bin. Zeit wäre gewesen, habe sowieso nur rumgegammelt.

Kleine T. ist auch noch nicht ganz ausgeschlafen und etwas grummelig.

8 Uhr irgendwas….

Wir gehen fast pünktlich los zum Kindergarten! Große T. hüpft und tanzt den ganzen Weg. Ich versuche mir zu merken, dass wir heute abend für den Kindergeburtstag morgen noch ein Geschenk einpacken müssen.

8:45 Uhr

Pünktlich! Wahnsinn! Nach dem Kinder abgeben noch drei verschiedene Gespräche mit Erziehern…. kleine T. ist jetzt groß und wird bald die Gruppe wechseln…. hach…

Auf dem Weg zur Arbeit noch kurz mit dem Mann telefonieren… später eine SMS von ihm: „Nehmen heute einen halben Tag frei, um mit großer T. Schlitten zu fahren.“ Der beste Papa! Da hat man gleich ein nicht mehr ganz so schlechtes Gewissen, dass die Kinder durch die eigene Arbeit hintenanstehen zur Zeit.

Der Vormittag

10 Uhr

In der Bibliothek. Jedenfalls fast. Erstmal frühstücken, komme ich morgen nie zu. Da es heute morgen keinen Kaffee gibt o.O wird es eben Tee.

10: 30 – 12:30 Uhr

Lernen…. ran an die Wiederholung. Ist viel, da in letzter Zeit wieder viel zu selten wiederholt. Schlecht! Aber kann mich auch nicht immer dazu aufraffen. Eher: selten, jedenfalls zu selten *seufz*

In den zwei Stunden schweifen meine Gedanken dann ständig ab zum geplanten Gruppenwechsel. Mentale to do Liste, Überlegungen, wie es wohl abläuft und wie man es am besten anstellen sollte mit dem Übergang, wie die neuen Erzieher wohl so sind, wieviele Kinder, wie wird kleine T. reagieren… „Lost in Familie“, wie es Herr König so treffend formulierte (lesenswert, ich dachte immer, das geht nur mir so 😉 ).

Der Mittag

Ohhh…. habe ich überhaupt noch genügend Geld? Das war doch gestern schon so knapp…. glücklicherweise findet sich noch ein einsamer Fünfeuroschein – Mittag gerettet!

Mal schnell essen und schnell Kaffee trinken (wieder erhältlich, juhuu!) und mal schnell noch 5 Minuten Pause in den Großstadt“schnee“ schauen – schon ist eine Stunde herum. Wie machen andere Leute bloß 30 Minuten Mittagspause? Mal schnell ins mitgebrachte Brot beißen, wahrscheinlich. Allerdings machen die meisten Leute, die hier lernen, ziemlich genau 1,5 h Mittagspause. Der innere, seit dem ertsen Semester antrainierte „90 min, dann werd ich unruhig“ – Block 😀 Oder einfach „die Zeit, die man braucht“.

Grad schreibe ich mit dem Mann noch schön SMS (Zitat: „Verdammt, hier liegt nur 0,1mm Schnee“ und die Schlittschuhbahn hat mittags für Kinder auch nicht auf“), schwupp, ist der Bildschirm schwarz… nee, echt jetzt? …. ja…… Akku alle. Das nervt, denn wie soll ich jetzt während der Klausur auf die Uhr schauen? Und die Antworten auf meine Nachrichten erreichen mich auch nicht….

Der Nachmittag

Gegen 14 – 19 Uhr plane ich eine Klausur zu schreiben. Die halbe Stunde davor kann ich ja noch zum Wiederholen nutzen…. packe den neuen Schreibblock aus, den der Mann extra anbot für mich zu kaufen.

Oh nein!….. Ich wollte ihm den alten Originalblock mitgeben, damit er genau diese Sorte kauft… was er dankend mit „er kriegt das schon hin“ ablehnte….. nun habe ich also den „falschen“ Block… zum Glück hat er nur drei gekauft. Genervt bin ich trotzdem.

Der Kopf ist weiterhin vollmit  Kinder und Kindergarten und ich kann mich kaum auf die Worte auf dem Papier konzentrieren. Gut, hier geht nichts weiter. Dann eben Klausur.

14- 16 Uhr

An der Klausurlösung schrauben. Je näher das Examen rückt, desto überzeugter bin ich davon, eigentlich nichts zu wissen und nichts zu können.

Nebenan packen Leute jeden Tag tausend Kareikarten aus und ich habe hier ein paar Blätter in einem alten Hefter. Kann ich überhaupt irgendetwas „richtig“ ? Zwar pendeln die Gedanken zwischen „Ich kann nichts“ und „so schwer war die Klausur eigentlich gar nicht“…. aber je näher das Examen rückt, desto weniger kann ich aus der Nervosität aussteigen und denken „ja, kann ich ja alles noch lernen“. Geht nicht mehr. Jeden Tag ein Tag weniger zum lernen. Die Nervosität steigt in entsprechendem Maße.

16 – 16:30 Uhr

Die Lösung steht so gut wie und an zwei Punkten komme ich nicht weiter, habe mich aber zumindest halb festgelegt. Anwaltliche Taktik… woher soll ich wissen was praktisch und zweckmäßig im Zivilprozess ist? Naja… ist ja nur ein Teil einer Klausur im Examen…. und irgendwas hinschreiben kann man ja doch.

Ich bin immer müder und habe keine Energie (die letzte Woche rächt sich, ich bin nie pünktlich ins Bett gegangen und ich bin auch nie mit den Kindern eingeschlafen, weli der Mann immer das Ins-Bett-Bringen übernommen hat. Muss das wieder ändern. Bin abends einfach zu müde um diszipliniert ins Bett zu gehen.).

Ich kämpfe eine halbe Stunde mit der Unlust, die Lösung zu Papier zu bringen. Seit einem Monat habe ich vom Klausuren schreiben „genug“. Ich kann mich einfach nicht mehr dazu motivieren, nach der Lösung dann noch alles aufs Papier zu pinseln.

Bis dahin ging es und war lehrreich, aber nun habe ich wohl genug Klausuren geschrieben. Für Routineaufgaben konnte ich mich ja noch nie begeistern. Dumm nur, dass ich mich selbst für die eine Klausurenkursklausur pro Woche heute überhaupt nicht motivieren kann. Die wollte ich nämlich immer unter Examensbedingungen schreiben.

Nach einer halben Stunde gebe ich auf und breche ab.Ich notiere mir die Restzeit und werde die Klausur dann eben an einem anderen Tag zuende schreiben, was solls… die Korrektur nützt mir ja trotzdem.

Dann noch ein bisschen VwGO und ZPO lernen und dann höre ich die Kirchturmuhr, die zeitgleich mit dem „jetzt ist der Kopf voll“ schlägt. Somit gehe ich gegen

18 Uhr

viel früher als sonst nach Hause. Und anders als sonst kommt der Bus sofort! Wow! Und anders als sonst steigen am Verkehrsknoten-Umsteige-Punkt nicht alle aus, sondern es bleibt regelrecht voll. Ach ja… Feierabendverkehr. Man, bin ich früh dran. Den verpasse ich ja sonst immer und habe relativ leere Verkehrsmittel.

Dann habe ich ja glatt noch Zeit, jetzt tatsächlich und endlich mal zur Bank zur gehen. Der Mann „nervt“ schon und braucht neues Bargeld. Und ich ja auch. Die Bank neben der Bibliothek will ja tasächlich fast 5 Euro Gebühr beim Abheben! Tzzz, Abzocker! Deswegen geht’s heute zur „etwas weiter entfernt“ Hausbank.

Als ich endlich in der Bank bin und meine Karte eingschoben habe, mich freue, dass ich das nun mal schaffe….. leuchten mir die Worte „Ihre Karte ist abgelaufen, bitte entfernen Sie die Karte“ entgegen…. ohne Worte! Ich drehe selbige um und da steht „gültig bis 2016“.

Warum habe ich keinen Brief von der Bank bekommen?

Habe ich einen Brief von der Bank bekommen?

Der Abend

19 Uhr

Zuhause. Als erstes schaue ich in den Postkorb. Da ist ein Brief von der Bank. Mit neuer Karte. Geöffnet! Offensichtlich habe ich den Brief geöffnet und nicht die Karte ausgetauscht. Und den Brief weggelegt. Und vollkommen aus dem Gedächtnis gelöscht. Wäre früher nie vorgekommen, aber seit ich wieder arbeite, häuft sich das. Examensbedingte Alltagdemenz. Warne ich die anderen Personen, die mir was erzählen wollen, schon seit geraumer Zeit. Schlägt aber immer wieder zu.

Dann werde ich zur „Party mit Leuchtstäben im dunklen Schlafzimmer“ eingeladen. Mit der ganzen Familie soll die stattfinden. Ich verkünde, dass ich vorher noch was essen werde. Tue das relativ hastig, denn im Kleinkindalter weiß man nie, ob die schöne Party nicht schon in 5 Minuten vorbei ist und man nur noch Streit und Tränen vorfindet und ein enttäuschtes großes Kind, das nicht mit allen seine Party hatte.

Danach machen wir die Kinder bettfertig, packen das Geschenk ein, und

20:30 Uhr

bringt der Mann die Kinder ins Bett.

20:30 – 22:30 Uhr

Bier, Schokolade, Brötchen und Eier, daneben Emails, Zeitung, Facebook und Gespräche mit dem Mann. Chillig. Entgegen meinem Vorsatz weiß ich gleich, dass ich den nicht erledigten Widerholungsteil heute auch nicht mehr mache.

Danach ein bisschen bloggen, und dann den aktuellen „Zeit“ Artikel über die jungen  Nachwuchs-Afd Politiker lesen. Ich sollte, sollte, sollte ins Bett.

Kann ich aber nicht aufraffen.

Gegen halb eins liege ich dann doch noch drin. Wieder zu später. Morgen wird aber anders.

Oder?

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Autor: Juristin

Juristin, Mutter, Ehefrau u.v.m.

2 Kommentare zu „Was machst du eigentlich den ganzen Tag? – 5. Januar“

  1. Deine Gefühlslage entsprach meiner vorm ersten Examen. Beim 2. bin ich nur angetreten, um darauf dann den Verbesserungsversuch zu machen und endlich mal eine ganze Klausur zu schreiben, da war ich nämlich beim 2. Examen total schludrig vorher. Und mein 2. Examen war gerade deswegen glaube ich um Längen besser!

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